SV08

De » Fautball-Klöppers «

Die Gründerjahre des SV Hemer 08 leben nur noch im Gedächtnis der „ganz Alten“. Es gibt keine schriftliche Aufzeichnung mehr aus jenen Tagen. Fußball war damals noch nicht der große Volkssport, der er heute ist. Man sprach oft genug nur abfällig von den „Fautball-Klöppers“. – Zu der Zeit, als man in Hemer beschloss, Fußball zu spielen, gab es im Kreis Iserlohn nur wenige Mannschaften dieser Art. Außer Iserlohn 05, dem VfB Iserlohn und Westig 08 kickte wohl noch niemand in dieser Gegend das runde Leder … In Hemer beschlossen des ungeachtet am 23. August des Jähre 1908 einige vom Fußball begeisterte Männer, einen Verein zu gründen, einen Fußball-Verein, versteht sich. Unter ihnen befanden sich Adolf und Fritz Kötter, Otto Rentzing, Heinrich Grünthal, „Menne“ Eichhorn und Fritz Ebbinghaus. Der neue Verein wurde tatsächlich aus der Taufe gehoben. Tore zimmerte man sich bei Adolf Kötter im Keller zusammen, für Kluften und Schuhe hatte jeder selbst zu sorgen – ein paar handfeste Straßenschuhe taten es im übrigen auch. Otto Rentzing hatte außerdem im Kohlenpott seine Fußballerfahrungen gesammelt; er brachte den Stein, bzw. den Fußball ins Rollen und übernahm den Vorsitz im neuen Verein, der sich den schneidigen Namen „Preußen 08″ zulegte und natürlich als seine Vereinsfarben schwarzweiß wählte. Gespielt wurde auf Korten-Toms Kamp“ an der jetzigen Ostenschlahstraße. Mitunter war es vor den großen „Fußballschlachten“ jener Zeit notwendig, die friedlich auf dem Sportplatz weidende Kuh erst noch „des Feldes zu verweisen“. – Vereinslokal wurde damals „Korten-Toms alkoholfreie Wirtschaft“.

Da die 08er bald dem westdeutschen Spielverband beitraten. konnten sie auch an den Meisterschaftsspielen des Jahres 1909 teilnehmen …

» Spielverein Niederhemer 1910 «

Während sich bei den „Preußen“ vor allem die Fußballer Oberhemers zusammenfanden, gehörten dem offiziell 1910 gegründeten „Spielverein Niederhemer 1910″ in der Hauptsache, „Nieder-Hemeraner“ an. Seine Gründer waren Fritz Viet, der auch als erster den Vorsitz übernahm, Wilhelm Benke, Paul Ernst, Otto Steinhoff, Karl Jürgens, Franz Steinhoff, Karl Kaderhand, Heinrich Röse, Albert Sauerland, Karl Götz, Paul Dahlhaus, Paul Lingenberg, Emil Dämmer, Adolf Uhlmann u. a. m.

Die Elf dieses Spielvereins wirkte anfangs auf dem Platz bei „Bollweg in den Bräucken“, später bei „Löbbecke“ (Vereinswirt Hermann Pickhardt). Was Kluften und Fußballschuhe anbetraf, so herrschten hier die gleichen Verhältnisse wie bei den „Preußen“. Nur die Vereinsfarben waren nicht schwarzweiß, sondern schwarzgelb!

Im Jahre 1912 schloß sich auch dieser Verein dem Verband an und trug M.-Spiele gegen Mannschaften wie Hagen-Eppenhausen, Iserlohn 05. Hagen 1860, Schwerte 06 und Eilpe-Delstern aus. Die „ganz Alten“ sprechen heute noch von dem 1:0-Sieg, den sie 1916 gegen den stärksten Vertreter ihrer Staffel, Hagen-Eppenhausen, errangen. Am Ende der Serie mussten die beiden Rivalen Eppenhausen und Hemer sogar ein Entscheidungsspiel um die Südwestfalenmeisterschaft austragen, das zu den denkwürdigsten und dramatischsten Auseinandersetzungen der Vereinsgeschichte gehört. Die Petrolats » desertierten«

Zu der Zeit, als dieses Entscheidungsspiel stattfand – es war Pfingsten 1917 – war der erste Weltkrieg auf‘ seinem Höhepunkt angelangt. Auch der Spielverein Niederhemer hatte seine tüchtigsten Aktiven unter den Fahnen, zum Beispiel beide Verteidiger, die Zwillingsbrüder Richard und Adolf Petrolat. Die „beiden Bären“ dienten damals bei den Pionieren in Köln. Nun hätte man sie aber doch gar zu gern bei diesem großen Kampf mit dabei gehabt. Was war da zu tun?! Als die Pionierkompanie staubbedeckt von ihrem traditionellen Samstagvormittag-Übungsmarsch zurückkehrte, sahen die Petrolats mit Staunen ihren Hemeraner Fußballkollegen „Bösen Murri « mit einem riesigen Reisekorb am Kasernentor stehen. Um es gleich vorwegzunehmen, er hatte darin für die beiden Soldaten, die er zu entführen gedachte, komplette Zivilkleidung mitgebracht. Heimaturlaub konnte aber auch er für die Petrolats nicht erwirken – dafür Stadturlaub.

In der Dachkammer einer Gastwirtschaft am Zoo in Köln-Riehl vertauschten die beiden ihre Uniformen gegen Zivil, und ab ging’s nach Hemer. Hier begrüßte man sie mit lautem Hallo und jubelte über die kaum erhoffte Verstärkung. Daß es dann in Hagen nur zu einer 2:3-Niederlage reichte, war nicht die Schuld der „beiden Bären“. Sie schlugen sich mit Bravour, doch war die Mannschaft auch mit den Petrolats immer noch auf mehreren Posten mit Ersatzleuten förmlich „gespickt“.

Am Pfingstmontag gegen 16 Uhr trafen die beiden „Deserteure“ wieder in Köln-Mülheim ein, verwandelten sich im Bahnhofshotel in ehrbare Pioniere und wollten gerade den Fußmarsch in die Kaserne antreten, als sie mit Schrecken feststellten, daß sie vor zwei Tagen ihre Koppel in der Bodenkammer am Zoo liegengelassen hatten. Nun, die Petrolats wußten sich auch jetzt Rat! Richard mimte „verwundet“, steckte den rechten Arm dahin, wo der „Spieß“ seine berühmte „Kladde“ zu tragen pflegte, schlich sich auf Umwegen in die Kaserne, lieh sich ein Koppel und holte dann im Gasthaus am Zoo die vergessenen Sachen, die noch immer so auf den Stühlen der Dachkammer lagen, wie sie vor 48 Stunden hingelegt worden waren. Das waren noch Zeiten!

Vergnügt und in voller Montur passierten zwei harmlose Stadturlauber am Pfingstmontag um 21 Uhr das Kasernentor. Aber ihnen fiel doch das Herz in die Hose, als sie erfuhren, daß es am Sonntag Spindrevision gegeben und man ihr Fehlen übel vermerkt hatte. Nun, eine gute Ausrede ist mitunter Gold wert, und es war nicht ganz einfach nachzuweisen, daß Kölner Stadturlauber in Hagen Fußball gespielt hätten. Außerdem sah man guten Soldaten zu allen Zeiten durch die Finger, und so ließ der „Spieß“ die Zwillinge zwar beim Appell vortreten und fragte streng: „Wo seid ihr gewesen?“ Aber er nahm gnädig die Ausrede zur Kenntnis und ließ die „Bären“ wieder ungeschoren ins Glied zurücktreten, wobei er freilich durchblicken ließ, dass er in Wirklichkeit nicht ganz so „gläubig“ war, wie er sich in diesem Falle gestellt hatte. So schwierig war damals das Fußballspielen.

» Der Zusammenschluß « oder »Einigkeit macht stark «

Der Ende des ersten Weltkrieges zum Erliegen gekommene Fußballsport lebte schon im ersten Nachkriegsjahr in Hemer wieder auf. Die „Preußen“ entmilitarisierten ihren Namen und begannen als „Rasensportverein Hemer 08″ mit den Vereinsfarben grünrot aufs neue. Der „Spielverein Niederhemer 1910″ machte unter seiner alten Flagge weiter. Er brauchte nichts zu verändern.

1919 aber wurde die Platzfrage für beide Vereine zu einer sehr ernsten Sorge. Die Anpflanzung von Kartoffeln rangierte damals vor dem Fußballspiel, Kartoffelacker also vor Fußballplatz. Hier drohte Hemers Aktiven eine neue akute Gefahr!

1920 kam es trotzdem zu zwei erbitterten Lokalkämpfen zwischen den beiden Hemeraner Vereinen, die an Spannung und Dramatik nichts zu wünschen übrig ließen. Während des zweiten Spieles gingen die Wogen der Begeisterung so hoch, dass man nach einem umstrittenen Handspiel vorzog, die Partie abzubrechen. Aber gerade die spielerische Gleichwertigkeit der Mannschaften veranlasste die Besonnenen unter den Vorstandsmitgliedern beider Vereine, die ersten Schritte für einen Zusammenschluss zu unternehmen. Einigkeit musste ja in diesem speziellen Falle besonders stark machen!

Während man nun mit Energie an den Ausbau des neuen, gemeinsamen Sportplatzes auf der Hermannshöhe (die Schützenhalle war hier 1917 abgebrannt!) ging, wurde 1920 der Zusammenschluss beider Vereine Wirklichkeit. Der neue Verein nannte sich SV Hemer 08, wählte als Vereinsfarben grünrot (ab 1923 rotweiß!) und führte die Tradition der „Preußen-Rasensportler“ und des „Spielvereins 1910″ – ohne dass sich jemals ein Funken Rivalität gezeigt hätte! – getreulich weiter bis auf den heutigen Tag.

Meisterschaftsspiele wurden in der damaligen B-Klasse gegen Letmathe. Vorhalle, Hohenlimburg, Wengern, Kabel usw. ausgetragen. Nach harten Kämpfen sicherte sich schließlich der SV Hemer 08 den Meistertitel der B-Klasse und stieg in die A-Klasse auf. Auch Westig 08 war 1922 in diese Klasse aufgestiegen, und so kam es zu den großen Lokalderbies zwischen dem SV Hemer 08 und dem SC Westig 08. Spieler wie Tüttelmann, die Gebrüderpaare Mette, Grete, Müller usw. wurden zu großen sportlichen Gegnern der Hemeraner. Westig machte später sogar in der A-Klasse den Meister, während sich die Hemeraner in einem Entscheidungsspiel in Arnsberg den A-Klassenverbleib sichern mußten.

Aus großer Zeit

Mit wechselndem Erfolg spielten die Hemeraner bis in die Dreißiger Jahre hinein in dieser Fußball-A-Klasse. Aber dann wuchsen einige Jugendliche heran, die eine neue Blütezeit der ersten Mannschaft einleiteten. Die Gebrüder August, Franz und Heini Trattner, Heini Schwanecke, „Hens“ Esser, Fritz Kuhn und Franz Schmöle waren Talente erster Ordnung. Spielerisch erstklassig, charakterlich ohne Tadel, sportlich überdurchschnittlich begabt. fleißig, kameradschaftlich und zäh, so machten sie dem Namen ihres Vereins im ganzen Sauerland Ehre. Eine solche Läuferreihe wie in jenen großen Tagen hat Hemer nie wieder besessen.

Gerade in den Jahren, als sich diese Jugend der Hemeraner so glänzend entwickelte, wurde am Amtskrankenhaus ein Mann namens Görke angestellt. Einer seiner Söhne hieß Heini, hatte beim Großverein in Essen das Fußballspielen gelernt und es hierin zu einem beachtlichen Können gebracht. Er war der richtige Mann für die junge hemerschc Elf! Heini Görke wurde zum Schrecken aller Torhüter, deren Finger ebenso unter seinen Schüssen platzten wie Torpfosten, Latten und Fußbälle.

Heini – Görke – Stories

Die Gestalt des Hemeraner Torschützenkönigs Heini Görke ist inzwischen beinahe „legendär“ geworden. Die alten „Fußballhasen“ aus Hemer und Westig erzählen sich heute noch, was seinerzeit beim Meisterschaftsspiel Westig gegen Hemer geschah, und weshalb es damals beim Stande von 8:0 für die Hemeraner zehn Minuten vor Schluss aus einem nicht alltäglichen Grunde einen Spielabbruch gab:

Die erste Halbzeit war längst vorbei, als Görke gleichzeitig mit einem Westiger Spieler das Leder erreichte und beide mit Wucht dagegentraten. Ergebnis: es lag im nächsten Augenblick mit geplatzter Blase schlapp und verbeult im Sand! Ein Ersatzball war allerdings bald beschafft. Aber auch seine Zeit kam eher als der Schlusspfiff des Schiedsrichters. Mit einer mächtigen Bombe an den unteren Torpfosten aus 16 m Entfernung machte Heini dieser Lederkugel den Garaus. „Restlos am Boden zerstört“, durfte sie sich sehr bald im Gerätekasten des SC Westig für immer von den Strapazen knallharter Görke-Schüsse ausruhen, die sie nicht zu überleben vermochte. Fußball Nr. 3 muhte also in diesem M.-Spiel aufs Feld! Es war der „letzte der Mohikaner“. Aber auch er wurde ein Opfer der Görkeschen Schussgewalt: zehn Minuten vor Spielende feuerte ihn Hemers Mittelstürmer haargenau ans Lattenkreuz. Mit lautem Knall „hauchte“ er daraufhin sein Leben aus und trudelte deformiert und unbrauchbar wie seine Vorgänger zu Boden. Ein vierter Ball war nicht mehr aufzutreiben, und so brach der Schiri, nachdem man noch einige Zeit auf Ballersatz gewartet hatte, diese „Unvollendete“ von Heini Görke ab .. .

Während eines Pokalspiels in Neheim hatte Görke dem feindlichen Torwart arg zugesetzt und dessen Finger mit seinen Schüssen „leicht verbogen“. Als dann beim Stande von 3:1 die Hemeraner auch noch einen Elfmeter zugesprochen bekamen und Neheims Hüter den gegnerischen Mittelstürmer Heini Görke zum „Strafvollzug“ anlaufen sah, da verschwand er blitzschnell aus der Schusslinie und überließ das leere Gehäuse dem feindlichen Scharfschützen. Wenige Sekunden später hieß es natürlich 4:1 für Hemer! Neheims Zerberus aber meinte kleinlaut: „Ich lass mir doch nicht noch einmal die Finger kaputtschiessen!“

Dabei spielte Heini Görke immer in „Schlappen“, wie seine Kameraden sagten. Denn er hatte niemals Stollen unter seinen Fußballschuhen und begnügte sich mit der „blanken Sohle“ – sehr erfolgreich, wie sich oft genug zeigte.

1935: Hemer Südwestfalenmeister

Am „Krug zur Nidda“ lag noch Schnee, als die Hemeraner in jener großen Zeit sogar Iserlohn 05 und acht Tage später den BSV Iserlohn 11 hoch schlugen. Mit der prächtigen Mannschaft um Görke und die Gebrüder Trattner glückte dann 1935 auch der große Wurf: Hemer 08 wurde in der Siegener Gauklassengruppe, zu der der SV 1930 aufgestiegen war, Gruppensieger und damit Südwestfalenmeister. Die Meisterschaftsserie begann damals mit einem 1:0-Erfolg gegen die Sport freunde Siegen in der „Höhle des Löwen“. Den ersten Punkt verloren die Hemeraner beim BC Siegen mit 3:3. Immerhin waren die Platzherren über diesen Verlust so erbost – sie hatten sich nämlich vorgenommen, ihre Gäste zweistellig zu schlagen! -, dass sie vor den Hemeraner Autobus fünfzöllige Nägel legten, um ihre Wut wenigstens auf diese Weise auszulassen. Die einzige Niederlage erlitten die Hemeraner damals im Niederscheldener „Rosengarten“. Aber dieses in letzter Minute unglücklich zustandegekommene 1:0 konnte der mit nur drei Minuspunkten errungenen Südwestfalenmeisterschaft der 08er nichts mehr anhaben.

Mit den Aufstiegsspielen zur obersten Klasse, in der auch Schalke 04, SV Höntrop usw. spielten, hatten die Hemeraner allerdings Pech. VfB Bielefeld, Alemannia Dortmund, Erle 08, Recklinghausen 13, Bochum und die Hemeraner kämpften um den Platz an der Sonne. Die Felsenmeerstädter erreichten zwar gegen Alemannia Dortmund ein Remis und auch mal einen Sieg, verloren aber mehrere Spiele mit einem einzigen Tor Unterschied und vermochten darum dem VfB Bielefeld und Bochum den Weg in die höchste Fußballklasse nicht zu verwehren. Ober » Kreissägen «, »Gänseköpfen « und »Büttenreden «

In der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, der „großen Zeit“ des SV Hemer 08, führte Gustav Edelhoff den Verein. Er ist auch heute noch stellvertretender Vorsitzender. Edelhoff legte nicht nur Wert auf sportliche Spitzen- und Breitenarbeit, sondern auch auf die Pflege froher Geselligkeit. Mit Vergnügen denken die Hemeraner an die herrlichen Waldfeste im selbst verfertigten, acht Meter langen Zelt mit „Gänseköpfen“ und „Jahrmarktstrubel“, an die zahlreichen „Preisschießen“, bei denen es Standuhren, Fahrräder und anderes mehr zu gewinnen gab. Der mitunter recht beträchtliche Erlös aus diesen beliebten Veranstaltungen kam in vollem Umfang der Jugendarbeit des Vereins zugute.

Die Hemeraner Vereinsmitglieder erinnern sich aber auch ebenso gern an die prächtigen Omnibusfahrten, die es als „Sonderzuteilung“ für gewonnene Meisterschaftsspiele oder andere sportliche Erfolge gab. Niemand, der dabei war, wird die Zwei-Tage-Fahrt nach Rüdesheim-Geisenheim vergessen! Edelhoff hatte damals in den Hutgeschäften des Kreises Iserlohn alle verfügbaren, zu jener Zeit aber schon unmodernen „Kreissägen“ als Kopfbedeckungen aufgekauft und sie an die Omnibus-Besatzung verteilt. Der Verkehrspolizist vor dem Rathaus in Iserlohn staunte nicht schlecht, als ihn plötzlich wie auf Kommando aus einem vorbeifahrenden Omnibus heraus 32 Mann durch gleichmäßiges Schwenken ihrer Strohhüte grüßten. Auch anderen, dem Bus entgegenkommenden „prominenten Persönlichkeiten“ bzw. solchen, die man dafür hielt, wurde von Zeit zu Zeit auf der langen Fahrt zum, Rhein die gleiche Reverenz erwiesen.

Während der berühmten „Kappensitzungen“ des Vereins zeichnete sich der Hemeraner Standardverteidiger Heini Nuth besonders aus. Seine Büttenreden, seine witzigen Einfälle und komischen Vorträge bleiben unvergessen. An dieser Stelle sei auch Wilhelm Stindts gedacht. des besten Linksaußen, den Hemer je besaß, und Onkel des heute zur Standardelf zählenden Herbert Stindt. „Onkel Wilhelm“ konnte mühelos einen ganzen Saal unterhalten, ohne dass jemals Langeweile aufgekommen wäre. Im Jahre 1937 eilte der SV Hemer im Kampf um den DFB-Pokal von Sieg zu Sieg. Auf dem Jahn-Sportplatz wurde sogar der in der höchsten Spielklasse wirkende SV Höntrop mit seinen Gebrüdern Timpert geschlagen! Und erst in Wuppertal mußten sich die ersatzgeschwächten Hemeraner (ohne Stollen unter den Fußballschuhen!) aus dem Pokalrennen werfen lassen. In dieser Blütezeit des SV 08 wurde die Verleihung der silbernen und goldenen Vereinsnadeln an besonders verdiente und langjährige Mitglieder beschlossen. Damals war es auch, als man die große Vereins-Ehrentafel, auf der sich Name an Name gefallener und verstorbener Vereinsmitglieder reihte, fertig stellte. Die Tafel verschwand übrigens in den ersten Nachkriegstagen spurlos und wurde später vom SV-Geschäftsführer Theo Neuhaus in erbarmungswürdigem Zustand geborgen. Leichtathleten und Handball-Abteilung

Im Jahre 1936 wurde in ganz Deutschland die DJK aus hinlänglich bekannten Gründen aufgelöst. In Hemer traten daraufhin die DJK-Handballer geschlossen dem SV Hemer 08 bei, als dessen Abteilung sie in den folgenden Jahren erstaunliche Erfolge erzielten. Schon damals wurde sie von Hermann Anton geleitet, der auch heute noch im Führungs-Gremium der Handballer des TV Hemer 62 zu finden ist. Im Jahre 1938 schlugen die Hemeraner am „Krug zur Nidda“ in Iserlohn vor 3000 (!) Zuschauern Letmathe 77 mit 3:2 Toren und erzwangen so den Aufstieg in die erste Handballkreisklasse. 1939 glückte dann sogar der Aufstieg in die Bezirksklasse, in der sich so prominente Mannschaften wie TV Dellwig, Hüsten und andere mehr befanden. Während des Krieges löste sich die Handballabteilung des SV Hemer 08 auf, um 1945 wieder von neuem zu beginnen. Es dauerte nicht lange, da erzwang sie den Aufstieg in die neue Gauklasse. Man hatte damals Spieler wie Niebuhr, Stieler, Pilch, Gräwe, Bockmühl, Stücken und Nierhorf zur Verfügung und stellte eine der besten Handballmannschaften im Kreise Iserlohn. Im Jahre 1947 machten sich die Handballer selbständig, um sich einige Zeit später dem TV Hemer 62 anzuschließen, in dessen Reihen sie heute noch spielen. Auch eine respektable Frauen-Handballmannschaft besaß der SV Hemer 08 nach dem 2. Weltkrieg. „Wurfkanonen“ wie die Geschwister Schumacher oder Irmgard Lannert machten dem Namen ihrer Mannschaft im ganzen Sauerland Ehre. Nun hatte der SV Hemer 08 in jenen Tagen vor dem 2. Weltkrieg aber nicht nur eine Fußball- und eine Handball-Abteilung, sondern auch gut organisierte und erfolgreiche Leichtathleten. Unter Leitung von Josef Kammerinke und Walter Lehmkühler (er startet noch heute bei Waldläufen der Altersklasse für Menden!) wuchs, blühte und gedieh auch diese jüngste Sparte des Vereins, in der sich Könner wie Paul Dornsiepen, Heinrich und Fritz Kammerinke befanden und heftete schöne Erfolge an ihre Fahnen.

Kriegsschatten über dem Sport

In den ersten Jahren des zweiten Weltkrieges waren die Einschränkungen, die der Sport erfuhr, noch verhältnismäßig gering. Außerdem standen ja in Hemer Kasernen, und so wurden die Lücken, die durch Einberufungen zur Wehrmacht entstanden, immer wieder durch Fußball spielende Soldaten ausgefüllt. Als dann 1943 akuter „Personalmangel“ eintrat, schufen die Hemeraner eine Notgemeinschaft mit Westig 08 und hielten den Spielbetrieb mit den Resten der beiden Mannschaften notdürftig aufrecht. 1944 aber hörte auch das auf. Der totale Krieg verschlang den Sport. Lediglich die Jugend unter Führung von Heini Jansen wirkte unentwegt weiter.

In dieser Notzeit bewährte sich auch ein ganz altes Mitglied aus den Anfängen des Spielvereins Niederhemer 10: Fritz Simon. Er war schon beim sagenhaften 1:0 über Hagen-Eppenhausen als Aktiver mit dabei, hatte nach dem ersten Weltkrieg einige Jahre lang den Posten des ersten Vorsitzenden bekleidet, war lange Zeit Schiedsrichter-Obmann des Kreises Iserlohn gewesen und sprang nun als erster Vorsitzender in die Bresche, wenn der „etatmäßige“ Gustav Edelhoff zu den Fahnen gerufen wurde. Heute steht „der alte Friti“; immer noch prominentestes Mitglied des SV Hemer 08, seit zehn Jahren an der Spitze des Fußballkreises Iserlohn.

Der » Bezirksklassen-Pechnapf «

1945 war der sportfeindliche Weltkrieg zu Ende. Aber Sportvereine durften sich auch damals nur mit Genehmigung der Militärregierung konstituieren. In einer Mitgliederversammlung wurde die Weiterführung des SV Hemer 08 beschlossen und Karl Emmert sen. zum ersten Vorsitzenden gewählt. Er leitete die Geschicke des Vereins in den drei schwierigen Nachkriegsjahren. Man spielte damals – wie auch heute! – in der Bezirksklasse Fußball und hatte schöne Erfolge zu verzeichnen. Als große und zugkräftige Gegner „auf dem Lamberg« erwiesen sich Menden 09, Iserlohn 46, Rüsten 09, Letmathe 98, Union Haspe, SSV Hagen und andere mehr. Ein neuer Fußball-Frühling schien seinen Einzug in Hemer zu halten. Aber der Rauhreif einer heftig umstrittenen Entscheidung des „Grünen Tisches“ brachte die Felsenmeer-Städter sehr bald um die auf dem „grünen Rasen“ bereits errungene Meisterschaft bzw. um den Aufstieg. Das war 1947. Ein Jahr später konnte der „Grüne Tisch“ den Siegeszug der 08er nicht mehr aufhalten. Der SV wurde 1948 Meister seiner Gruppe und bestritt gegen Menden 09 und Neheim 08 denkwürdige Aufstiegsspiele. Aber wie schon im Jahre 1917 (gegen Eppenhausen!), 1935 und 1947 war der Aufstiegstraum auch 1948 schnell ausgeträumt, denn in der Huckenohl-Kampfbahn gab es gegen Menden 09 nur ein 1:1 und am Seilersee gegen Neheim 08 nur ein 3:3, obwohl die Hemeraner bis kurz vor Schluß 3:1 geführt hatten. Menden 09 stieg damals auf! Mit einem Bein stand Hemer also oft genug in der Landesliga, mit dem anderen aber ständig im „Bezirksklassen-Pechnapf “

Auch in den Nachkriegsjahren durfte man die Elf des SV „Trattner-Elf“ nennen. Immer noch wirkten in ihr Heini und Paul Trattner mit. Insgesamt aber hatten sechs Trattner-Brüder (davon vier gleichzeitig!) das rotweiße Trikot getragen. Heini Trattner und Heinz Stöf fer spielten sogar beim Repräsentativkampf gegen Schalke 04 in der Sauerland-Auswahl mit und waren an dem ehrenvollen Ergebnis maßgeblich beteiligt. Sie schossen auch im Auswahl-Spiel gegen das Siegerland sieben von elf Toren!

… und dann doch in der Landesliga

In den folgenden Jahren gehörte die Fußballelf der Hemeraner immer zur Bezirksklassenspitze, bis dann endlich im Jahre 1953 die Pechsträhne abriss und die Mannschaft den längst verdienten Aufstieg in die Landesliga schaffte. Freilich wurde der Keim zur bedauerlichen Rückkehr in die Bezirksklasse schon im ersten unglücklichen M.-Spiel der neuen Serie gegen SuS Niederscheiden gelegt. Die Begegnung im Dammstadion hatte eine Platzsperre zur Folge, von der sich die Mannschaft nicht wieder erholen konnte. Trotz dieses Schocks blieben die Hemeraner die nächsten Jahre hindurch führend in ihrer Bezirksklassen-Gruppe, wurden immer wieder Meister und verloren jedesmal entweder die entscheidenden Ausscheidungs- bzw. Aufstiegsspiele, einmal gegen Eiringhausen in Lüdenscheid 0:1, einmal gegen Gevelsberg in Hohenlimburg 1:3, einmal gegen Olpe in Werdohl 2:3. Die Geschichte vom „Bezirksklassen-Pechnapf“ wiederholte sich immer wieder bis auf den heutigen Tag …

Auch gegen große Gegner traten die Hemeraner in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg an. Borussia Dortmund, der Duisburger Spielverein, Schwarzweiß Essen und andere spielten im Dammstadion, das die Stadt Hemer mit Hilfe des Fußball-Totos und der Unterstützung der Landesregierung als würdige Sportstätte erbaut hatte und das wohl zu den schönsten im weiten Umkreis gehört. Es kam im übrigen gerade zur rechten Zeit, da die Besatzungsmacht dem Verein die in mühevoller Arbeit selbst fertiggestellte „Felsenmeer-Kampfbahn“ am Jüberg wegnahm. Ungezählte Arbeitsstunden hatten die Vereinsmitglieder auf die Fertigstellung dieses Platzes verwandt .

In dieser Chronik soll aber auch gerade im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Hemeraner in die Landesliga eines Mannes gedacht werden, dem dieser Erfolg in der Hauptsache zu verdanken war: des Dortmunders Franz Podgorski, dessen intensives Training aus der Mannschaft herausholte, was aus ihr herauszuholen war. Damals gewannen die 08er nicht weniger als 21 M.-Spiele hintereinander! Eine Siegesserie, die auch heute noch Seltenheitswert besitzt. Sie führte, wie schon berichtet, direkt in die höhere Klasse.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte sich dem SV Hemer 08 auch eine Box- und Tischtennis-Abteilung angeschlossen. Aber beide standen im Schatten der Fußballer und konnten nicht so recht gedeihen. Sie blühten nur kurze Zeit. Ihnen fehlte anscheinend der kräftige Nährboden eines echten Großvereins. Zwei Meter Mettwurst …

1948 übernahm Hubert Barbier den Vorsitz im SV Hemer 08 und machte sich um den Verein außerordentlich verdient. Nach zweijähriger Tätigkeit musste er nach einem Auto-unfall sein Amt niederlegen. Heinrich Scbönenberg wurde sein Nachfolger. Er steht auch heute noch an der Spitze des Vereins. Mit Heinrich Schönenberg zog auch Gustav Edelhoff wieder in das Vorstandsgremium des SV ein. Seine Vorliebe für „gesellige Späße“ (siehe „Kreissägen-Affäre“!) strapazierte übrigens vor nicht allzu langer Zeit in ganz besonderem Maße die Zwerchfelle aller Beteiligten. Einige Vereinsmitglieder spielten öfters nach Feierabend in den Schönenbergschen Fabrikräumen zum Zeitvertreib Tischtennis. SV-Geschäftsführer Adolf Hoch war hier ungeschlagener „Kaiser“ und forderte eines schönen Abends auch Edelhoff auf, gegen ihn anzutreten. Gustav trat an und – schlug den wesentlich Jüngeren. Der schüttelte nur staunend den Kopf und glaubte, es wäre wohl nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Er forderte Revanche und erhielt sie auch – aber erst acht Tage später. Edelhoff regte in diesem Zusammenhang eine Wette an: Der Unterlegene aus der Revanche-TTPartie wurde verpflichtet, den Anwesenden eine zwei Meter lange Mettwurst zu spendieren. Der Vorschlag wurde angenommen. Gustav Edelhoff bestand allerdings noch auf einer Zusatzklausel, nach der der Sieger diese Wurst bezahlen müsse, wenn es den Anwesenden nicht gelänge, sie an besagtem Abend bis auf den letzten Rest zu vertilgen. Nichts Böses ahnend, nahm Adolf Hoch auch diese Sonderbestimmung in den Wettvertrag mit auf. Der Tag der Revanche kam, und Gustav Edelhoff wurde von Adolf Hoch „knapp, aber verdient“ geschlagen. Die Zwei-Meter-Wurst war fällig! Edelhoff hatte sie auch schon in weiser Voraussicht seiner Niederlage beim Metzgermeister Heinz Webers herstellen lassen. Sie wurde nun zu den Tisch-Tennis-Spielern hereingetragen und löste allgemeine Bewunderung aus: zwei Meter Mettwurst in einem Stück und – in einer bis dato kaum für möglich gehaltenen Dicke! Doch während die bewundernden „Ahs“ und „Ohs“ zur hohen Hallendecke stiegen, wurde Adolf Hoch um einen Schein blasser, denn er sah sofort, dass eine Wurst dieser Länge und vor allem dieses Durchmessers von den Anwesenden nicht verzehrt werden konnte. Wenn das aber nicht möglich war, dann musste er, der Sieger, diese ganze Wurst laut Zusatzklausel bezahlen. Und so kam es denn auch, denn die Wettwurst erwies sich als die Stärkere. Sie ließ sich an diesem Abend auch von den 12 anwesenden Personen nicht restlos „vernichten“. Nein, man musste ganze Stücke mit zu Muttern nach Hause schleppen. So wurde Hoch, der Sieger, durch einen typischen Edelhoff-Streich zum zahlenden Verlierer. Es hat ihm übrigens nichts geschadet: er ist heute Journalist im Ruhrgebiet und wird wohl diesen Schwank aus seinem Vereinsleben längst zu Zeilenhonorar gemacht haben.

Einigkeit tut not …

Den ersten großen Aufschwung nahm das Hemeraner Vereinsleben nach 1920, also in der Zeit, als man erkannt hatte, dass Einigkeit stark macht und den Zusammenschluss von Preußen-Rasensport und Spielverein Niederhemer 1910 vollzog. Die Weitschauenden unter den Sportführern der hemerschen Vereine hoffen, dass sich einmal in nicht allzu ferner Zeit ein ähnlicher Vorgang wiederholen und zu einer ähnlichen sportlichen Blüte führen möge, wie sie vor einem runden Vierteljahrhundert zu verzeichnen war. Ein Großverein mit vielen lebensfähigen Sparten würde wohl auch den kommunalen Stellen der Stadt ein würdigeres Unterstützungsobjekt sein als mehrere kleine Vereine. Vielleicht geht dieser Jubiläumswunsch des SV schneller in Erfüllung als es augenblicklich den Anschein hat.

… die nächsten 50 Jahre

Diese Vereinsgeschichte des SV Hemer 08 wurde zusammengestellt und geschrieben nach den mündlichen Berichten derer, die sich noch an Daten, Zahlen und Ereignisse erinnern konnten. Schriftliche Unterlagen oder Akten aus den Anfängen sind nicht mehr vorhanden. Die Chronik kann also keinen Anspruch darauf erheben, lückenlos und vollständig das Geschehen der letzten 50 Jahre im SV Hemer 08 dargestellt zu haben. Ja, die Verfasser sind sich darüber klar, dass hier und da Namen fehlen, die der Erwähnung wert gewesen wären und dass vielleicht dann und wann ein Datum etwas .,verrutscht“ ist, bzw. ein Ereignis nicht an seinem chronologisch richtigen Platz steht. Die Verfasser bitten daher um Nachsicht. Die nächsten 50 Jahre sollen besser „registriert“ werden, damit zum „Hundertjährigen“ eine hieb- und stichfeste Vereinsgeschichte geschrieben werden kann.